Sebastian Hempel ist seit Sommer 2013 als Sportlicher Leiter für die Seniorenmannschaften zuständig. Wir trafen ihn vor dem Testspiel gegen Fortuna Köln (Samstag, 14 Uhr, Heim) zum Interview und sprachen mit ihm über die laufende Saison und die anstehenden Herausforderungen.

Sebastian, etwas mehr als die Hälfte der Regionalligasaison ist gespielt. Wie beurteilst du die bisherigen Auftritte der Mannschaft?
Wir haben etwas gebraucht, um uns in der Liga zurechtzufinden. Im Verlaufe der Hinrunde haben wir uns dann vor allem defensiv stabilisiert und sind zum Schluss zu einem richtig unangenehmen Gegner geworden, der jeder Mannschaft in der Liga das Leben schwer machen kann. Das Trainerteam musste unseren Spielstil komplett umkrempeln – von technisch anspruchsvollem Ballbesitzfußball auf geradlinigen Konterfußball. Dass dies nicht von heute auf morgen funktionieren konnte, war klar. Ich sehe die Entwicklung der Mannschaft noch nicht am Ende. Wenn es uns jetzt noch gelingt, wieder torgefährlicher zu werden, haben wir alle Möglichkeiten. Wir sind seit nunmehr fünf Spielen ungeschlagen und haben zuletzt gezeigt, dass wir auch gegen die Spitzenteams der Liga nicht chancenlos sind.
Der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt sieben Punkte. Ist das denn noch aufzuholen?
Ja, auf alle Fälle! Die Jungs wissen jetzt, wie es geht. Daher gehen wir selbstbewusst ins neue Jahr. Es sind noch 15 Spiele zu spielen, da kann viel passieren. Klar ist allerdings, dass wir uns keinen Negativlauf mehr erlauben dürfen. Unser Ziel ist und bleibt Platz 14, also der Klassenerhalt aus eigener Kraft. Sollten wir dieses Ziel erreichen, wäre das angesichts unserer begrenzten Möglichkeiten mindestens genauso hoch zu bewerten, wie die drei Meisterschaften in der Mittelrheinliga.

“Wir dürfen nie vergessen, wo wir herkommen.”

Ihr habt im Winter noch mal reagiert und zwei neue Spieler verpflichtet. Inwiefern bringen die beiden die Mannschaft noch mal weiter?
Wir haben mit Marcel Radschuweit und Recep Kartal zwei Spieler verpflichtet, denen wir den Schritt in die Regionalliga absolut zutrauen. Marcel ist ein kopfball- und zweikampfstarker Defensivspieler, den wir schon seit längerem im Blick hatten. Recep Kartal hat im November einige Wochen mit der Mannschaft trainiert und gezeigt, dass er durch seine Variabilität und fußballerische Klasse eine Bereicherung für uns werden kann. Mit Marcel und Recep haben wir die Qualität im Kader noch einmal steigern können, zumal beide auf verschiedenen Positionen einsetzbar sind. Allerdings muss man ihnen die nötige Zeit einräumen, da auch sie sich erst einmal an die neuen Anforderungen gewöhnen müssen.
Mit Sebastian Hecht und Marcos Rieck verlassen zwei langjährige Spieler den Verein..
Das stimmt. Sebastian und Marcos sind hier dreimal Mittelrheinmeister sowie Mittelrheinpokalsieger geworden und haben in den letzten Jahren einen wichtigen Beitrag zu unserem Erfolg geleistet. Leider ist die sportliche Entwicklung nicht so verlaufen, wie wir alle uns das vorgstellt haben. Zudem war aufgrund der Größe unseres Kaders und der finanziellen Rahmenbedingungen klar, dass neue Spieler nur dann zu uns stoßen können, wenn wir uns gleichzeitig von Spielern trennen. Dass mir persönlich dieser Schritt extrem schwer gefallen ist, weil ich mit beiden noch selbst zusammengespielt habe, ist kein Geheimnis. Allerdings kann es auch nicht verwundern, dass wir angesichts unserer bescheidenen Punktausbeute Veränderungen im Kader vornehmen mussten.
Was passiert, wenn es mit dem Klassenerhalt am Ende nicht klappt? Steht dann ein großer Umbruch bevor?
Es wäre fahrlässig, sich nicht auch mit diesem Szenario auseinanderzusetzen. Ziel muss es sein, im Falle eines Abstiegs sofort um den direkten Wiederaufstieg mitzuspielen. Ich hoffe, dass wir hierbei mit vielen Spielern aus dem aktuellen Kader weiterarbeiten könnten. Unsere Stärke in den letzten Jahren war, dass wir den Kader kontinuierlich weiterentwickelt haben, ohne dabei große Abenteuer einzugehen. Ich wünsche mir, dass wir diesen Weg weiter beschreiten können – unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Hierfür müssen so früh wie möglich die Weichen gestellt werden. Wenn man sieht, welch positive Entwicklung der Verein genommen hat und mit welcher Leidenschaft im Verein und im Umfeld gearbeitet wird, dann mache ich mir keine Sorgen.
Wo siehst du die größten Herausforderungen der Zukunft?

“Wir wollen uns nachhaltig als Spitzenmannschaft im Fußballverband etablieren. Dieses Regionalligajahr soll keine Ausnahme bleiben.”

Dabei dürfen wir aber nicht die Entwicklung des Gesamtvereins aus den Augen verlieren. Die Rahmenbedingungen sind noch nicht in allen Belangen ideal. Allerdings bin ich mir sicher, dass wir uns auch hier weiter verbessern werden. Insbesondere denke ich aber auch an die Spieler aus unserer Jugend und den Übergang vom Junioren- in den Seniorenbereich. Ich würde mir wünschen, dass die U23 weiter aufgewertet wird, damit unsere U19-Spieler auch dann eine attraktive sportliche Perspektive im Verein behalten, wenn es auf Anhieb noch nicht für die erste Mannschaft reicht.

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